Wiesbaden

Bauhaus Möbel
Stahlrohr, Funktion und Serie aus Weimar und Dessau

Heller Sekretär mit aufgeklappter Schreibplatte auf schwarzem Stahlgestell, frei im weißen Raum
Kurz gesagt

Bauhaus Möbel sind Möbel, die zwischen 1919 und 1933 an der Kunstschule Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin oder in ihrem unmittelbaren Umfeld entworfen wurden, und im weiteren Sinn Möbel, die deren Grundsätzen folgen: Funktion vor Schmuck, sichtbare Konstruktion, Eignung für die Serie, neue Werkstoffe wie verchromtes Stahlrohr. Die bekanntesten Stücke sind die Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe und Mart Stam, die Leuchten von Wilhelm Wagenfeld und Marianne Brandt sowie die Stoffe der Weberei um Gunta Stölzl. Fast alle davon werden heute von Herstellern mit Lizenz gebaut, und fast alle werden auch ohne Lizenz kopiert.

Woher die Möbel kommen

Das Bauhaus war eine Schule, keine Fabrik. Walter Gropius gründete sie 1919 in Weimar, 1925 zog sie nach Dessau in das Gebäude, das heute das Bild der Schule prägt, 1932 nach Berlin, wo sie ein Jahr später unter dem Druck der Nationalsozialisten schloss. Vierzehn Jahre, drei Orte, drei Direktoren: Gropius, Hannes Meyer, Mies van der Rohe.

Möbel entstanden in der Tischlerei, später in der Ausbauwerkstatt, als Übungen und als Prototypen für die Industrie. Die Idee war, dass ein gut gestaltetes Möbel in Serie gebaut werden kann und dann für viele bezahlbar wird. Die wenigsten Entwürfe haben das zu Lebzeiten der Schule erreicht. Bezahlbar wurden sie erst Jahrzehnte später, als Hersteller die Rechte erwarben, und gefragt wurden sie, als die Originale aus den zwanziger Jahren selten waren.

Woran Sie ein Bauhaus Möbel erkennen

Stahlrohr. Gebogenes, verchromtes oder vernickeltes Stahlrohr als tragendes Gestell, ohne Verkleidung. Es war der Werkstoff, der die Möbel der Schule von allem unterschied, was davor im Wohnzimmer stand.

Der Freischwinger. Ein Stuhl ohne Hinterbeine, der auf einem durchgehenden Rohrbogen federt. Das Prinzip ist die bekannteste Erfindung aus dem Umfeld der Schule, und der Streit, ob Mart Stam oder Marcel Breuer es zuerst hatte, ging bis vor Gericht.

Geometrie. Rechteck, Kreis, Zylinder. Keine Schnitzerei, keine Profilleiste, kein Bezug mit Muster. Wo Holz vorkommt, ist es glatt und meist dunkel.

Bespannung. Eisengarn, ein gewachster Baumwollfaden, als straff gespannter Sitz und Rücken, dazu Leder, Rohrgeflecht und später Stoff. Bei alten Stücken ist das Eisengarn oft das erste, was ersetzt wurde.

Zerlegbarkeit. Viele Entwürfe lassen sich mit wenigen Schrauben in flache Teile zerlegen, weil sie für Versand und Serie gedacht waren.

Die Gestalter und ihre Stücke

Marcel Breuer. Leiter der Tischlerei in Dessau. Der Clubsessel B3, später Wassily genannt, mit Stahlrohr und Ledergurten, angeregt vom Lenker seines Fahrrads; der Freischwinger B32 mit Holzrahmen und Rohrgeflecht, heute als Cesca bekannt; der Hocker B9 und die Satztische; der frühe Lattenstuhl aus Holz.

Ludwig Mies van der Rohe. Der letzte Direktor. Der Freischwinger MR10 und MR20 mit dem weit ausschwingenden Bogen, der Barcelona Sessel mit Flachstahl und Leder für den deutschen Pavillon der Weltausstellung 1929, der Brno Stuhl aus dem Haus Tugendhat. Der Barcelona Sessel entstand außerhalb der Schule, gehört im Sprachgebrauch aber dazu.

Mart Stam. Der niederländische Architekt, der den Freischwinger aus Gasrohren zusammensteckte, bevor Breuer und Mies ihre Fassungen zeichneten. Sein Stuhl S33 ist der strengste der drei.

Wilhelm Wagenfeld und Marianne Brandt. Die Metallwerkstatt: Wagenfelds Tischleuchte mit Glasfuß und Glasschirm, Brandts Teeservice, Aschenbecher und Leuchten. Beide haben nach der Schule für die Industrie weitergearbeitet, weshalb ihre Stücke in vielen Ausführungen vorkommen.

Josef Albers, Erich Dieckmann, Gunta Stölzl. Albers mit Satztischen aus Glas und Holz, Dieckmann mit Holzstühlen aus Weimar, Stölzl mit den Stoffen der Weberei, die heute als Teppiche und Wandbehänge neu gewebt werden.

Wer die Möbel heute baut

Kaum ein Gestalter der Schule hat seine Möbel selbst gefertigt. Die Rechte liegen bei Herstellern, die sie erworben oder von den Erben lizenziert haben, und auf einem Bauhaus Möbel steht deshalb der Name des Herstellers, nicht der Schule. Thonet baut die Stahlrohrmöbel von Breuer, Stam und Mies seit den dreißiger Jahren im hessischen Frankenberg. Knoll führt den Barcelona Sessel, den Brno Stuhl und den Wassily. Tecta in Lauenförde fertigt Entwürfe von Breuer, Albers, Stam und Gropius mit Lizenz des Bauhaus Archivs. Tecnolumen in Bremen baut die Wagenfeld Leuchte und die Stücke von Marianne Brandt. Die Weberei lebt bei Teppichmanufakturen weiter.

Für meine Einordnung eines Stücks folgt daraus: das Etikett oder die Prägung des Herstellers ist der Anfang, nicht das Wort Bauhaus; warum Gestalter, Hersteller und Kennzeichnung zusammengehören, erklärt der Eintrag Designermöbel. Und ein Stück aus den zwanziger Jahren, eines aus der Nachkriegsfertigung und eines aus dem aktuellen Katalog sind derselbe Entwurf in drei Märkten.

Was das Wort nicht meint

Bauhausstil bei Häusern. Flachdach, weiße Wände, Fensterbänder. Makler nennen so jedes moderne Einfamilienhaus. Mit den Möbeln hat das nur den Namen gemeinsam.

Die Baumarktkette gleichen Namens. Sie verkauft Werkzeug und Gartenmöbel und hat mit der Schule nichts zu tun. Wer "Bauhaus Möbel" sucht, landet trotzdem oft dort.

Jedes Stahlrohrmöbel. Stahlrohr wurde nach 1930 von vielen Fabriken gebogen, für Krankenhäuser, Büros und Cafés. Ein Stahlrohrstuhl ohne Entwurf und ohne Marke ist ein Zeitzeuge, aber kein Bauhaus Möbel.

Art déco und Skandinavien. Gleiche Jahre, andere Haltung: Art déco liebt das Ornament, die Dänen das Holz. Beides ist Moderne, keines ist Bauhaus.

Original, Lizenz und Nachbau bei Bauhaus Möbeln

Ein Original aus der Zeit der Schule ist selten und trägt meist keine Marke, weil die ersten Serien bei kleinen Firmen liefen, die es nicht mehr gibt. Ein Original aus Lizenzfertigung trägt Etikett, Prägung oder Brandzeichen des Herstellers, oft mit Jahr, bei Knoll auch die Signatur des Gestalters. Ein Nachbau trägt nichts davon oder eine Marke, die niemand kennt.

Der Barcelona Sessel und der Wassily gehören zu den meistkopierten Möbeln überhaupt. Beim Original ist der Flachstahl des Barcelona geschliffen und an den Kreuzungen verschweißt, das Leder in Einzelfeldern von Hand genäht; beim Nachbau ist der Stahl geschraubt, das Leder in einem Stück geprägt. Beim Wassily sind die Rohrbögen des Originals in einem Zug gebogen, die Gurte aus dickem Kernleder oder Eisengarn; beim Nachbau sind die Bögen aus Stücken gesteckt und die Gurte aus Kunstleder.

Ein Beispiel: der Freischwinger aus dem Esszimmer

Sechs Stühle aus Stahlrohr mit Holzrahmen und Rohrgeflecht, seit den siebziger Jahren um einen Esstisch. Unter dem Sitz eine Prägung mit Herstellernamen und Jahr. Das Chrom an den Kufen stumpf, das Geflecht bei zwei Stühlen gerissen, bei einem von Hand neu gemacht.

Das ist ein Bauhaus Möbel im Alltag: ein Entwurf aus den zwanziger Jahren, gebaut fünfzig Jahre später mit Lizenz, benutzt weitere fünfzig Jahre. Die Prägung ordnet ihn ein, das gerissene Geflecht ist ersetzbar, das stumpfe Chrom gehört zum Alter. Ein Satz aus einer Quelle ist mehr als sechs einzelne Stühle.

Was das im Ankauf bedeutet

Das Wort Bauhaus benennt eine Haltung, keinen Wert. Der hängt am Hersteller, am Jahrzehnt, an der Ausführung, am Zustand von Chrom, Leder und Bespannung und an den Unterlagen, und als kuratierter Designhandel kläre ich das alles, bevor ich eine Zahl nenne. Für Stahlrohr und Bugholz ist das bei mir in Wiesbaden der Ankauf von Designermöbeln; was auf die Schule folgte, erklärt der Eintrag Mid Century Modern, die übrigen Begriffe von Vintage bis Designklassiker das Glossar.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Ist der Barcelona Sessel ein Bauhaus Möbel?

Im engen Sinn nicht: Mies van der Rohe entwarf ihn für den deutschen Pavillon in Barcelona, bevor er Direktor der Schule wurde. Im Sprachgebrauch gehört er dazu, weil er die Haltung der Schule trägt und ihr letzter Direktor ihn zeichnete. Für die Einordnung eines Exemplars ist die Frage ohne Belang.

Woran erkenne ich, ob mein Freischwinger von Thonet oder von Tecta ist?

An der Prägung oder dem Etikett unter dem Sitz oder am Rohr. Beide Häuser kennzeichnen, oft mit Jahr. Fehlt jede Marke, kann es ein Stück aus den dreißiger Jahren sein oder ein Nachbau; das entscheiden Rohrdurchmesser, Biegung und Verarbeitung am Stück. Ein Foto der Unterseite ist der erste Schritt.

Gibt es Bauhaus Möbel aus Holz?

Ja, vor allem aus den Weimarer Jahren: Breuers Lattenstuhl, Dieckmanns Stühle, die Satztische von Albers, Kinderzimmermöbel von Alma Siedhoff-Buscher. Sie sind seltener als die Stahlrohrmöbel und im Original kaum zu finden; Neuauflagen gibt es von Tecta. Im Ankauf sind sie für mich ein Fall für sich, weil ohne Marke schwer zu belegen ist, was sie sind.

Muss ich das Eisengarn erneuern lassen, bevor ich anfrage?

Nein, bitte nicht. Eine alte, ausgebleichte Bespannung sagt etwas über das Alter des Stuhls, eine neue sagt nichts. Ob sie ersetzt werden muss, gehört in meine Einordnung, und wer es macht, entscheidet über das Ergebnis. Schicken Sie mir ein Foto, so wie der Stuhl ist.

Der erste Schritt

Ankauf, auch von Sammlungen

Ein Stahlrohrstuhl, der mehr sein könnte als ein Stahlrohrstuhl: fotografieren Sie ihn von der Seite und einmal von unten, wo Prägung oder Etikett sitzen, und schreiben Sie mir, woher er stammt. Ich ordne ein, bevor ich über eine Zahl spreche. Alle Wege stehen auf der Kontaktseite.

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