Modeschmuck

Modeschmuck ist Schmuck, der nicht aus Edelmetall und echten Edelsteinen besteht, sondern aus vergoldetem oder versilbertem Unedelmetall, Glas, Strass, Emaille, Perlmutt oder Kunststoff. Sein Wert liegt nicht im Material, sondern im Entwurf: wer ihn gestaltet hat, welches Haus ihn signiert hat, aus welcher Zeit er stammt und in welchem Zustand er ist. Ein signiertes Collier aus Glassteinen kann deshalb gesuchter sein als eine dünne Goldkette, obwohl es beim Wiegen nichts ergibt.
Was Modeschmuck von Echtschmuck unterscheidet
Echtschmuck wird nach Feingehalt bewertet: die Punze nennt den Goldanteil, daraus folgt ein Materialwert. Modeschmuck hat keinen Feingehalt. Statt der Punze trägt er, wenn überhaupt, die Signatur des Hauses, das ihn entworfen hat, meist auf der Rückseite der Schließe oder innen am Ohrclip.
Genau dort werden beim Ausräumen einer Schatulle die Weichen falsch gestellt: was keine Punze trägt, wandert in die Tüte, die niemand mehr ansieht. Dabei sitzt der Wert von Modeschmuck da, wo er beim Echtschmuck nur Beiwerk ist, in der Gestaltung.
Woraus Modeschmuck besteht
Die Grundlage ist fast immer ein unedles Metall: Messing, Tombak, Zink oder Weißmetall, darüber eine dünne Schicht Gold, Silber oder Rhodium. Vergoldet heißt nicht Gold, und die Schicht ist so dünn, dass sie beim Wiegen nicht zählt und beim Polieren verschwindet. Neuer Modeschmuck besteht häufig aus Edelstahl, der nicht anläuft und die Vergoldung deshalb oft ganz ersetzt.
Den Charakter machen die Steine und Materialien darauf: geschliffenes Glas und Strass, hinten mit Folie belegt, damit es funkelt; Kunstperlen aus Glas mit Perlmuttlack; Emaille auf Metall; Perlmutt, Horn, Holz und Leder; und die Kunststoffe der jeweiligen Zeit, Bakelit und Celluloid in den dreißiger Jahren, Lucite und Acryl in den sechzigern. An diesen Materialien erkenne ich die Epoche oft schneller als an der Form.
Epochen und ihre Kennzeichen
Modeschmuck als eigene Gattung entstand in den zwanziger Jahren, als Coco Chanel Ketten aus Glasperlen und vergoldetem Metall zur Mode erklärte, die man offen als unecht tragen durfte. Seitdem folgt Modeschmuck der Mode, und jede Zeit hat ihre Merkmale.
Zwanziger und dreißiger Jahre. Geometrische Formen des Art déco, Bakelit in Schwarz, Rot und Honiggelb, lange Ketten, Broschen aus Strass in Silberfarbe. Ohrringe sind Clips oder Schraubclips, gestochene Ohren waren aus der Mode.
Vierziger und fünfziger Jahre. Die amerikanischen Hersteller, Trifari, Coro und Miriam Haskell, bauen Schmuck in Serie, vergoldet, mit farbigem Glas und sauber gesetzten Steinen. Die Brosche ist das Hauptstück, meist als Blume, Tier oder Schleife. Broschennadeln bekommen Sicherheitsverschlüsse, ältere Stücke haben noch den offenen Haken.
Sechziger und siebziger Jahre. Kunststoff, Plexiglas, Emaille in leuchtenden Farben, große geometrische Anhänger, Ketten bis zur Taille. Der Ohrstecker kehrt zurück, der Clip bleibt daneben.
Achtziger Jahre. Die Pariser Modehäuser, Chanel, Dior, Yves Saint Laurent, lassen große vergoldete Stücke fertigen, die auf dem Laufsteg getragen wurden: Kreuze, Ketten mit Medaillons, Ohrclips in Handtellergröße. Vieles davon ist signiert und heute gesucht.
Ein Detail, das beim Datieren hilft: viele Häuser haben ihre Signatur über die Jahrzehnte verändert, in Schrift, Form und Zusatz. Wer die Signatur lesen kann, ordnet ein Stück oft auf wenige Jahre genau ein.
Halskette, Armband, Ohrringe, Brosche: was gesucht ist
Nicht jede Schmuckart ist gleich gefragt. Die Brosche ist beim alten Modeschmuck das Stück mit dem meisten Entwurf und deshalb das gesuchteste, obwohl sie heute selten getragen wird. Colliers und Halsketten folgen, wenn sie eine erkennbare Gestaltung haben und nicht nur eine Kette sind. Armbänder und Armreifen aus Bakelit oder mit Emaille haben ihren eigenen Kreis. Ohrringe zählen als Paar, ein einzelner Clip ist ein Ersatzteil. Zusammengehörige Teile, als Garnitur aus Collier, Armband und Ohrclips, sind mehr als die Summe.
Herrenschmuck gehört ebenfalls dazu: Manschettenknöpfe, Krawattennadeln und Krawattenklammern aus vergoldetem Metall mit Emaille oder Glas, oft signiert und oft übersehen.
Was Modeschmuck wert macht
Vier Dinge, in der Reihenfolge, in der ich sie prüfe: Signatur oder sichere Zuschreibung; Epoche und Seltenheit des Entwurfs; der Zustand, also vollständige Steine, unversehrte Vergoldung, originale Schließe; und die Vollständigkeit einer Garnitur. Ein Beispiel: eine Brosche aus den fünfziger Jahren mit farbigen Glassteinen, auf der Rückseite die Prägung eines amerikanischen Hauses, alle Steine vorhanden, die Vergoldung nur an den Kanten berieben. Das Material wäre beim Wiegen nichts wert, das Stück ist es.
Wie bei der Rosenthal Studio Linie, die Künstler an den Entwurf ließ, zählt der Name am Stück, nicht das Material darunter. Was den Wert mindert: fehlende Steine, neu vergoldete Oberflächen, ausgetauschte Schließen und jede Reinigung mit Mitteln, die für Gold gedacht sind.
Modeschmuck heute
Was heute im Handel als Modeschmuck verkauft wird, ist Saisonware: Edelstahl, Messing, Zirkonia, in jeder Saison ein neuer Look, dann weg. Sammler entstehen daraus selten. Die Ausnahme sind wieder die Modehäuser, die weiter signieren und deren Stücke von heute die gesuchten Stücke von übermorgen sein können. Für die Frage, was ein Stück ist, gilt deshalb auch bei neuem Schmuck: erst die Rückseite ansehen, dann die Vorderseite.
Modeschmuck im Ankauf
Wer Modeschmuck verkaufen will, sollte ihn nicht wiegen lassen. Ich kaufe ihn nach Gestaltung und Herkunft an, nicht nach Materialwert; wie das abläuft, steht auf der Seite Modeschmuck Ankauf. Kommt der Schmuck mit Kleidung aus einem Bestand, gehört beides zusammen betrachtet, siehe Designermode Ankauf. Weitere Begriffe erklärt das Glossar.
Häufige Fragen
Ist Silberschmuck Modeschmuck?
Streng genommen nicht: Sterlingsilber ist ein Edelmetall mit Feingehalt, meist 925, und damit Echtschmuck. Im Handel steht Silberschmuck trotzdem oft neben Modeschmuck, weil er ähnlich getragen wird. Für die Einordnung gilt bei beiden dasselbe: der Entwurf zählt, das Gewicht des Silbers ist bei kleinen Stücken nebensächlich.
Woran erkenne ich eine Signatur?
Sie sitzt an den Stellen, die beim Tragen nicht zu sehen sind: auf der Rückseite der Brosche, an der Schließe des Colliers, innen am Ohrclip oder auf einem kleinen ovalen Plättchen an der Kette. Oft ist sie winzig und erst mit einer Lupe zu lesen. Fotografieren Sie diese Stellen zuerst.
Sind Perlenketten Modeschmuck?
Wenn die Perlen aus Glas oder Kunststoff mit Perlmuttlack sind, ja. Zuchtperlen sind Echtschmuck mit eigenem Markt. Unterscheiden lässt sich das am Bohrloch, wo bei Kunstperlen der Lack absplittert, und an der Oberfläche: Zuchtperlen fühlen sich an den Zähnen leicht rau an, Kunstperlen glatt. Im Zweifel entscheidet ein Blick unter der Lupe.
Wie bewahre ich Modeschmuck auf?
Trocken, dunkel und getrennt voneinander, am besten jedes Stück in einem eigenen Beutel oder Fach, damit Steine und Vergoldung nicht aneinander reiben. Parfum, Haarspray und Feuchtigkeit lassen Vergoldung anlaufen und Kleber nachgeben. Wer ein Stück lange nicht trägt, legt es weg, wie es ist, ohne es vorher zu polieren.
Ankauf, auch von Sammlungen
Fotografieren Sie das Stück von vorn und die Rückseite mit der Schließe, bei einer Garnitur alles zusammen, und schreiben Sie ein paar Zeilen zur Herkunft. Ich ordne es ein, bevor eine Zahl fällt. Die Wege stehen auf der Kontaktseite.