Wiesbaden

Designermöbel
Möbel mit Namen, und was der Name bedeutet

Galerieraum mit Sekretär, Stehleuchte, hellem Sessel und schwarzem Ledersessel mit Flachstahlgestell
Kurz gesagt

Designermöbel sind Möbel, deren Entwurf einem benannten Gestalter oder Entwurfsbüro zugeschrieben ist und die ein Hersteller unter diesem Namen in Serie fertigt. Der Name ist keine Verzierung, sondern ein Herkunftsnachweis: er sagt, wer die Form verantwortet, wer sie baut und seit wann. Ein Möbel, das nur im Stil eines Gestalters gebaut wurde, ist kein Designermöbel, sondern Handelsware mit Vorbild.

Woran Sie ein Designermöbel erkennen

Drei Dinge gehören zusammen: ein Gestalter, der in Katalog und Fachliteratur mit dem Entwurf verbunden ist; ein Hersteller, der die Rechte hält und den Entwurf führt; und eine Kennzeichnung am Stück, als Etikett, Prägung, Brandstempel oder Plakette, meist an der Unterseite, der Rückwand oder unter der Sitzfläche.

Fehlt die Kennzeichnung, ist das Stück nicht automatisch anonym. Papieretiketten überleben selten sechzig Jahre. Dann entscheidet der Vergleich mit dokumentierten Exemplaren: Maße, Verbindungen, Beschläge, das Profil eines Stahlrohrs. Im Ankauf begegnet mir beides: der Stuhl ohne Etikett, der ein sauber gebauter Serienentwurf ist, und die vollständig etikettierte Einrichtung, bei der das Etikett das Interessanteste bleibt.

Welche Bereiche das Wort umfasst

Im Sprachgebrauch meint Designermöbel meist Sitzmöbel, Tische und Aufbewahrung für das Zuhause. Der Begriff reicht weiter: Leuchten von Artemide, Flos oder Louis Poulsen sind Designermöbel im selben Sinn, ebenso Büromöbel vom Drehstuhl bis zum Regalsystem, Möbel für draußen und die Accessoires der Hersteller, Uhren, Schalen, Garderoben. Die Grenze läuft nicht zwischen Wohnen und Arbeiten, sondern zwischen Entwurf mit Namen und Ware ohne.

Im Ankauf ist das Büro dabei die ergiebigste Quelle: wenn eine Firma umzieht, stehen dort Stühle, Tische und Systemmöbel mit Namen in Stückzahlen, die in keiner Wohnung vorkommen.

Die Hersteller, an denen sich das Wort festmacht

Ein Designermöbel trägt den Namen des Herstellers oft deutlicher als den des Gestalters, und an den Herstellern macht der Markt das Wort fest. In der Schweiz und in Deutschland Vitra, mit Sitz bei Basel und Fertigung in Weil am Rhein, dazu USM, Thonet, Walter Knoll und Wilkhahn. In Italien Cassina, Kartell, Zanotta, Flos und Artemide, Häuser, in denen technisches Können und Tradition seit den sechziger Jahren zusammenkommen. In den Vereinigten Staaten Knoll und Herman Miller. In Dänemark und Finnland Fritz Hansen, Carl Hansen, Louis Poulsen und Artek. Dazu die jüngeren Häuser wie Hay und Muuto, deren Entwürfe noch keine Klassiker sind, aber Designermöbel im vollen Sinn.

Wer eines dieser Etiketten an einem Möbel findet, hat die halbe Bestimmung. Die andere Hälfte ist der Entwurf: jeder Hersteller führt Dutzende Gestalter, und welcher es ist, steht in Katalognummer oder Modellname.

Designermöbel, Designklassiker, Vintage

Designermöbel ist der Oberbegriff. Ein Designklassiker ist ein Designermöbel, dessen Entwurf über Jahrzehnte gefragt geblieben ist; die meisten erreichen diesen Rang nie. Vintage sagt nur etwas über das Alter: ein gebrauchtes Designermöbel aus den siebziger Jahren ist Vintage, ein neues aus derselben Serie nicht, und beide sind Designermöbel.

Zwei Schulen prägen den Markt bis heute: die skandinavische mit Holz, Papierkordel und handwerklicher Serie, die italienische mit Kunststoff, Stahl und den Fabriken um Mailand. Deutschland steht mit den Bauhaus Möbeln am Anfang des Jahrhunderts, die Schweiz mit dem System USM Haller in seiner zweiten Hälfte; die Jahrzehnte dazwischen, mit Teak, Formsperrholz und schlanken Beinen, fasst der Eintrag Mid Century Modern zusammen.

Serie, Maßanfertigung, Unikat

Designermöbel setzen Serie voraus: der Entwurf wird wiederholt gebaut, in gleichbleibender Ausführung und Qualität, mit Ersatzteilen und Katalog. Dass viele Hersteller auf Bestellung fertigen, in individuell gewählten Stoffen, Hölzern und Maßen, ändert daran nichts. Ein Sofa auf Maß aus einem Herstellerprogramm bleibt ein Serienmöbel mit Konfiguration.

Anders liegt das Unikat: ein Möbel, das ein Gestalter oder eine Werkstatt einmal gebaut hat, ohne Serie. Es kann Kunsthandwerk sein oder Sammlerdesign mit eigenem Markt, aber es ist kein Designermöbel im Sinn des Handels, weil ihm Hersteller und Wiederholung fehlen. Das Schreinermöbel nach eigenem Entwurf ist gutes Handwerk mit einem Namen, den außer dem Auftraggeber niemand kennt.

Original, Lizenz und Nachbau

Ein Original stammt vom Hersteller, der die Rechte hält, oder von seinem Lizenznehmer. Ein Eames Stuhl aus europäischer Fertigung trägt das Etikett von Vitra unter der Sitzschale, oft mit Jahresangabe; ein Stück aus amerikanischer Fertigung trägt das Etikett des dortigen Lizenznehmers, und beide sind Originale.

Ein Nachbau ist ein Möbel im Stil eines Entwurfs, gefertigt ohne Rechte. Er kann ordentlich gebaut sein und ist trotzdem kein Designermöbel, weil ihm der Hersteller fehlt, der für den Entwurf steht.

Neu, Ausstellungsstück oder gebraucht

Dasselbe Designermöbel gibt es in drei Zuständen, und alle drei sind Originale. Neu aus dem Programm, mit Garantie und aktueller Ausführung. Als Ausstellungsstück aus dem Handel, gebraucht, ohne gebraucht worden zu sein, oft die Ausführung der letzten Saison. Und gebraucht aus einer Wohnung oder einem Büro, mit Spuren, manchmal in einer Ausführung, die es neu nicht mehr gibt. Für die Einordnung zählen bei allen drei dieselben Fragen: Hersteller, Ausführung, Baujahr, Zustand, Vollständigkeit. Nur die Antworten fallen anders aus.

Gebraucht heißt dabei nicht weniger: eine frühe Ausführung mit dem originalen Bezug kann gesuchter sein als das neue Stück aus dem Programm. Erst eine Aufarbeitung, die Originalteile durch fremde ersetzt, verändert die Einordnung, und zwar selten zum Guten.

Designermöbel im Ankauf

Ein Designermöbel behält seinen Markt, weil der Entwurf weiter gefragt ist und Ersatzteile lieferbar bleiben. Beim Ausräumen einer Wohnung gehört es deshalb zu den Stücken, die zuerst eingeordnet werden: Gestalter, Hersteller, Ausführung, Zustand. Diese Einordnung ist die Beratung, die ein Verkäufer braucht, bevor eine Zahl fällt, und sie ist meine Arbeit als kuratierter Designhandel. Wie der Ankauf bei mir abläuft, steht auf der Seite Designermöbel Ankauf; alle Begriffe rund um Design und Ankauf erklärt das Glossar.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Gibt es Designermöbel ohne bekannten Hersteller?

Ja, zum Beispiel Werkstattstücke, Kleinserien und Entwürfe, deren Hersteller es nicht mehr gibt. Dann trägt die Zuschreibung über Literatur, Ausstellungskataloge und den Vergleich mit dokumentierten Stücken. Sie ist aufwendiger als das Lesen eines Etiketts und kann offen bleiben, was ich in der Einschätzung dann auch so sage.

Wie finde ich den Gestalter, wenn nur der Hersteller auf dem Etikett steht?

Über Modellname oder Katalognummer, die meist neben der Herstellermarke stehen. Die Hersteller führen Archive und alte Kataloge, in denen jedes Modell seinem Gestalter zugeordnet ist, und die Fachliteratur zu den großen Häusern ist umfangreich. Ein Foto vom Etikett und eines vom ganzen Möbel genügen mir meist für die Zuordnung.

Ist ein Möbel im Stil eines Gestalters ein Designermöbel?

Nein. Ein Stil ist keine Zuschreibung. Ein Stuhl im Bauhaus Stil oder ein Sessel nach Art eines bekannten Entwurfs hat weder den Gestalter noch den Hersteller, der für den Entwurf steht, und deshalb keinen eigenen Markt. Er kann gut gebaut sein und wird zu Recht als das verkauft, was er ist: ein Möbel.

Sind Möbel von Hay oder Muuto Designermöbel?

Ja. Beide Häuser führen Entwürfe mit benannten Gestaltern in Serie, mit Etikett und Katalog. Was ihnen noch fehlt, ist die Zeit: ob ein Entwurf von heute in einigen Jahrzehnten ein Klassiker ist, entscheidet der Markt dann. Für die Einordnung heute sind es Designermöbel wie jedes andere, mit einem jüngeren Gebrauchtmarkt.

Der erste Schritt

Ankauf, auch von Sammlungen

Schicken Sie mir ein Foto vom ganzen Möbel und eines von der Stelle, an der Etikett oder Prägung sitzen könnten, dazu ein paar Zeilen zur Herkunft. Ich nenne Ihnen zuerst, was ich sehe, und danach den nächsten Schritt. Die Wege stehen auf der Kontaktseite.

Stück anbieten Anrufen: +49 176 227 902 14 Telefonisch täglich 8 bis 21 Uhr
Anbieten Anrufen