Was Artemide ausmacht
Artemide ist ein Leuchtenhersteller aus Pregnana Milanese vor den Toren Mailands, gegründet Anfang der sechziger Jahre vom Ingenieur Ernesto Gismondi und dem Architekten Sergio Mazza. Die Verbindung aus Technik und Gestaltung blieb das Programm: Vico Magistretti, Richard Sapper, Michele De Lucchi, Enzo Mari, Ettore Sottsass, Mario Botta, Ross Lovegrove und Herzog & de Meuron haben für das Haus entworfen. Der Leitsatz des Herstellers, das menschliche Licht, meint Leuchten, die sich nach dem Menschen richten und nicht nach der Glühbirne.
Drei Entwürfe tragen den Namen bis heute: die Eclisse von Magistretti mit dem drehbaren Innenschirm, die Tizio von Sapper mit den Armen, die den Strom leiten, und die Tolomeo von De Lucchi und Fassina mit dem Federzug aus Seilen. Alle drei wurden mit dem Compasso d'Oro ausgezeichnet, alle drei stehen noch im Katalog, und alle drei stehen in unzähligen Wohnungen und Büros.
Für den Ankauf heißt das: eine Artemide ist selten ein seltenes Stück, aber oft ein gutes, und der Unterschied zwischen einer frühen und einer späten Ausführung entscheidet, wie ich sie einordne.
Welche Artemide Leuchten gesucht sind
Tizio. Die Schreibtischleuchte von Richard Sapper: schwarzer Fuß mit Trafo, zwei Arme mit Gegengewichten, der Strom läuft durch die Arme, deshalb kein Kabel zum Kopf. In mehreren Größen, mit Halogen und später mit LED. Frühe Stücke haben den schweren Metallfuß und den Kippschalter mit zwei Stufen.
Tolomeo. Die Arbeitsleuchte von Michele De Lucchi und Giancarlo Fassina aus poliertem Aluminium, gehalten von Seilen und Federn. Als Tischleuchte mit Fuß oder Klemme, als Stehleuchte, als Wandleuchte und als Pendelleuchte, mit Aluminiumreflektor oder Stoffschirm. Das häufigste Modell der Marke in deutschen Büros.
Eclisse. Magistrettis kleine Leuchte aus lackiertem Metall, deren innerer Schirm sich drehen lässt wie bei einer Sonnenfinsternis. In Weiß, Orange, Rot und Schwarz; frühe Ausführungen mit anderem Schalter und anderer Fassung.
Nesso und Nessino. Die Pilzleuchte aus Kunststoff, entstanden im Wettbewerb um Giancarlo Mattioli und die Gruppe Città Nuova, in Orange oder Weiß. Der große Nesso aus den sechziger Jahren ist das Sammlerstück, der kleine Nessino die Neuauflage.
Dalù, Chimera, Mezzachimera. Weitere Magistretti Entwürfe: Dalù als kleine Kunststoffleuchte, Chimera und Mezzachimera als Stehleuchten aus geknautschtem, opalem Kunststoff.
Boalum. Die Schlauchleuchte von Livio Castiglioni und Gianfranco Frattini, ein biegsames Rohr mit Kleinlampen, das sich legen und stellen lässt. Frühe Exemplare mit intakter Elektrik sind selten.
Shogun, Aggregato, Callimaco. Die Entwürfe der achtziger Jahre: Mario Bottas Leuchte mit gestreiften, verschiebbaren Blechschirmen, das Leuchtensystem von Enzo Mari und Giancarlo Fassina, Ettore Sottsass' Stehleuchte in Gelb und Grau aus dem Umfeld von Memphis.
Castore, Logico, Pipe, Cosmic Leaf, Mercury. Jüngere Modelle aus Glas, Polycarbonat und Aluminium, von De Lucchi, Herzog & de Meuron und Ross Lovegrove. Gefragt in Gruppen und mit Verpackung.
Was eine gebrauchte Artemide wert macht
Das Modell und die Zeit. Eine Tizio aus der ersten Zeit und eine aus dem aktuellen Programm sind derselbe Entwurf, aber nicht dasselbe Stück. Fuß, Schalter und Trafo verraten die Ausführung.
Die Ausführung. Farbe bei Eclisse und Nesso, Halogen oder LED bei Tizio, Aluminium poliert oder lackiert bei Tolomeo, Fuß oder Klemme. Die frühen Ausführungen sind meist die gesuchteren.
Der Zustand. Bei lackiertem Metall Kratzer und Abplatzer, bei Kunststoff Vergilbung und Sprünge, bei Tolomeo ausgeleierte Federn und gerissene Seile, bei Tizio lose Gegengewichte und stumpfe Kontakte an den Gelenken. Eine Leuchte, die nicht mehr leuchtet, ist nicht wertlos, aber die Elektrik gehört in die Einschätzung.
Die Vollständigkeit. Fuß und Klemme, Reflektor, Schirm, Trafo, Gegengewichte, bei Systemleuchten alle Elemente. Was fehlt, ist bei laufenden Modellen ersetzbar, bei alten Ausführungen nicht.
Die Kennzeichnung. Artemide kennzeichnet am Fuß, am Reflektor oder an der Fassung mit Schriftzug und Made in Italy. Tizio und Tolomeo werden seit Jahrzehnten nachgebaut; beim Original läuft bei der Tizio kein Kabel zum Kopf, und bei der Tolomeo sitzen Seil und Federn sauber in den Gelenken.
Artemide aus dem Büro
Kaum eine Marke steht so oft in Büros wie Artemide, weil die Tolomeo jahrzehntelang zur Grundausstattung gehörte. Wird ein Büro aufgelöst, stehen zwanzig oder dreißig davon auf einmal da, dazu Stehleuchten aus den Besprechungsräumen. Für mich ist das ein Posten, den ich vor Ort ansehe und als Ganzes abhole. Wie der Ankauf von Bürobeständen im Ganzen läuft, steht auf der Seite zu Office Designermöbeln.
Umbau auf LED: bitte erst fragen
Viele Verkäufer lassen eine Halogenleuchte vor dem Verkauf auf LED umrüsten, weil sie glauben, das mache sie moderner. Bei Artemide ist das meist ein Fehler: die Tizio ist um ihr Halogenleuchtmittel herum gebaut, mit Trafo im Fuß und Strom durch die Arme, und ein Umbau greift in genau diese Konstruktion ein. Ein originales Halogenstück mit passendem Leuchtmittel ordne ich höher ein als eine umgebaute Leuchte mit fremdem Netzteil. Fragen Sie mich vorher, ein Foto reicht.
Was ich für die erste Einordnung brauche
Zwei Fotos: die Leuchte im Ganzen, eingeschaltet, wenn sie noch geht, und die Unterseite des Fußes oder die Innenseite des Reflektors, wo Schriftzug und Typenschild sitzen. Dazu, ob sie funktioniert, ob etwas fehlt oder ersetzt wurde, und seit wann sie bei Ihnen ist. Modellname und Jahr finde ich selbst.
Artemide bei Design Diefenbach
Eine Tolomeo steht dreißig Jahre auf demselben Schreibtisch und wird beim Auflösen als Bürokram abgetan; eine Nesso steht seit den Siebzigern im Kinderzimmer und gilt als Spielzeug. Beides sind Stücke, die ich ansehen will, bevor sie im Container landen.
Leuchten gehören bei Design Diefenbach zu meinen liebsten Bereichen, und in meiner Galerie in der Wiesbadener Nerostraße, einem kuratierten Designhandel, ordne ich jede Artemide ein, bevor eine Zahl fällt. Wie der Ankauf abläuft, steht auf der Seite zum Ankauf von Designerlampen. Die andere große italienische Leuchtenmarke Flos und die Glasleuchten aus Murano haben eigene Seiten, die übrigen Marken finden Sie unter Marken und Gestaltern.