Le Corbusier LC2
ein Sessel, viele Nachbauten
Le Corbusier LC2. Der Sessel aus Stahlrohr und losen Kissen, entworfen mit Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand, gebaut von Cassina. Ich kaufe ihn an.
Le Corbusier LC2. Der Sessel aus Stahlrohr und losen Kissen, entworfen mit Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand, gebaut von Cassina. Ich kaufe ihn an.

Was ein Le Corbusier LC2 Sessel wert ist, entscheidet zuerst die Herkunft: Cassina baut ihn seit den sechziger Jahren als einziger Hersteller mit Lizenz, und ein Original trägt Signatur und Nummer am Gestell. Danach zählen der Bezug, der Zustand von Leder und Chrom und ob alle Kissen zum Stück gehören. Ihren Sessel ordne ich bei Design Diefenbach in Wiesbaden nach Fotos ein, und die Zahl kommt mit Begründung.
Ein Gestell aus Stahlrohr, außen sichtbar wie ein Käfig, darin lose Kissen für Sitz, Rücken und beide Seiten. Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand entwarfen ihn Ende der zwanziger Jahre als Fauteuil Grand Confort in einer kleinen und einer großen Ausführung. Die kleine ist der LC2, die große der LC3, dazu gibt es beide als Sofa mit zwei und drei Sitzen. Cassina führt den Sessel heute unter dem Namen 2 Fauteuil Grand Confort, petit modèle.
Der Sessel ist kompakt, breiter als tief, mit niedriger Sitzfläche und aufrechter Lehne. Im Raum nimmt er weniger Platz als sein Ruf, und genau deshalb steht er so oft als Paar oder mit dem Sofa zusammen.
Der LC2 ist Teil einer Reihe, die Cassina unter dem Kürzel LC führt: LC1 als Sessel mit beweglicher Rückenlehne und Armlehnen aus Riemen, LC3 als große Ausführung des Grand Confort, LC4 als Liege auf dem Bogen, LC6 als Tisch mit Glasplatte auf Stahlprofilen, LC7 als Drehstuhl. Wer einen LC2 hat, hat oft mehr davon: das Sofa dazu, die Liege, den Tisch. Eine Gruppe aus einer Einrichtung sehe ich mir als Ganzes an, weil der Zusammenhang die Einordnung trägt.
Kaum ein Klassiker wird so oft nachgebaut. Ein Cassina Sessel trägt am Gestell die eingeprägte Signatur Le Corbusiers und eine fortlaufende Nummer, dazu das Zeichen des Herstellers. Beim Original sind die Schweißnähte verschliffen, die Rohre gleichmäßig, das Chrom ohne Wolken, die Kissen mit festem Kern und einem Leder mit natürlicher Narbe.
Beim Nachbau fehlt die Nummer, das Rohr ist dünner, die Nähte sind sichtbar, die Kissen sacken nach wenigen Jahren durch. Bei älteren Cassina Stücken kann die Kennzeichnung anders aussehen oder abgegriffen sein, deshalb entscheide ich am Stück und nicht am Foto allein.
Ein Nachbau hat einen eigenen, kleinen Markt, und der ist nicht meiner. Das sage ich Ihnen gleich nach den Fotos, damit Sie nicht auf eine Abholung warten.
Der Bezug. Leder oder Stoff, und welche Farbe. Schwarz und Naturtöne finden leichter den nächsten Besitzer als Sonderfarben aus einer Ausstattung.
Der Zustand. Beim Leder Risse, ausgeblichene Flächen, Katzenspuren. Beim Chrom Rost an den Schweißnähten und abblätternde Stellen. Bei den Kissen, ob der Kern noch trägt: ein durchgesessener Kern ist ersetzbar, ein zerkratztes Gestell nicht.
Die Vollständigkeit. Alle Kissen vom selben Stück, in derselben Farbe und mit demselben Alter des Leders. Ein fremdes Kissen fällt am Farbton auf.
Das Gestell. Verchromt ist der Regelfall. Lackierte Gestelle in Schwarz, Grau, Grün oder Blau sind seltener und haben ihre eigenen Liebhaber.
Der Zusammenhang. Zwei Sessel und ein Sofa aus einer Einrichtung sind als Garnitur mehr wert als drei einzelne Stücke aus drei Quellen.
Die Kissen sind der Teil, der altert. Frühe Ausführungen tragen Füllungen mit Daunenanteil, spätere einen Schaumkern mit Polsterfaser, beide sitzen lose im Gestell und lassen sich einzeln ersetzen. Cassina liefert Kissen und Bezüge nach, in Leder und Stoff, deshalb ist ein durchgesessener LC2 kein verlorener Fall. Für die Einordnung zählt, ob die Kissen noch die ersten sind: ein Sessel mit Originalkissen aus einer Hand steht über einem mit neuen, auch wenn die neuen besser aussehen.
Cassina bezieht den LC2 in mehreren Lederarten. Anilinleder ist durchgefärbt und offenporig, zeigt Narbe, Narben und Lichtspuren und bekommt mit den Jahren Patina. Pigmentiertes Leder trägt eine deckende Farbschicht, ist gleichmäßiger, unempfindlicher und altert weniger sichtbar. Für den Wert ist keines von beiden besser: Anilin wird von Sammlern gesucht, pigmentiert von Käufern, die den Sessel benutzen wollen. Wichtig ist, was da ist, und ob die Patina echt ist oder ein Schaden. Ein Foto der Sitzfläche im Tageslicht zeigt mir den Unterschied.
Ein Foto von vorn, eines von der Rückseite des Gestells, und eines von der Stelle mit Signatur und Nummer, meist am hinteren Rohr oder unter dem Sitz. Dazu, ob Sie eine Rechnung oder eine Lieferunterlage haben: bei Klassikern mit vielen Nachbauten ist das Papier oft so viel wert wie das Leder.
Bei mir gehört der LC2 zum Ankauf von Designermöbeln, zusammen mit den anderen Entwürfen, die Cassina unter den Namen der Meister baut, und den Stahlrohrklassikern von Knoll. Ich kaufe ihn einzeln und als Garnitur für meinen kuratierten Designhandel in Wiesbaden, die Übersicht steht unter Marken und Gestaltern.
An der Prägung am Gestell: Signatur Le Corbusiers, fortlaufende Nummer, Herstellerzeichen. Dazu an der Verarbeitung, verschliffene Nähte, gleichmäßiges Chrom, festes Leder. Schicken Sie ein Foto der Prägung, und ich sage Ihnen, was ich sehe. Fehlt jeder Hinweis, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Nachbau.
Ja. Gebrauchsspuren gehören zu einem Sessel, der Jahrzehnte im Wohnzimmer stand. Ich sage Ihnen, was davon in die Einschätzung geht und was nur Patina ist. Lassen Sie ihn bitte nicht neu beziehen, bevor ich ihn gesehen habe: ein fremder Bezug kostet mehr Wert, als er bringt.
Ja, und eine Garnitur aus einer Einrichtung sehe ich mir am liebsten vor Ort an, im Rhein Main Gebiet mit eigenem Fahrzeug. Sessel, Sofa und Beistelltisch aus einer Hand haben einen Zusammenhang, der bei der Einordnung zählt und beim Verkauf in Einzelteilen verloren geht.
Ein Foto vom Sessel, eines von der Prägung am Gestell, und der Hinweis, ob Sie Unterlagen zum Kauf haben. Die Einordnung bekommen Sie von mir persönlich, am Telefon oder per WhatsApp, täglich; das Formular steht auf der Kontaktseite.