Hersteller oder Gestalter: warum der Unterschied zählt
Die meisten Leute haben den Gestalter im Kopf und die Marke am Stück. Ein Lounge Chair ist "der Eames", gebaut hat ihn in Europa Vitra, und genau das steht auf dem Etikett unter der Sitzschale. Für die Einordnung zählt beides: der Entwurf sagt, was es ist, der Hersteller und das Herstellungsjahr sagen, welche Ausgabe Sie haben.
Das ist der Grund, warum ich Namen nenne, statt von Designermöbeln im Allgemeinen zu sprechen. Ein kuratierter Designhandel lebt davon, die Ausgaben auseinanderzuhalten: lizenzierte Fertigung, frühe Serie, spätere Neuauflage, Kopie ohne Lizenz. Der Unterschied ist am Stück zu sehen, wenn man weiß, wo man hinschaut.
Die Möbel
USM Haller. Das modulare Stahlrohrsystem aus der Schweiz, als Sideboard, Regal oder ganze Bürolandschaft. Der Wert hängt an Ausführung, Farbe und den Kleinteilen, die beim Zerlegen verloren gehen.
Vitra. Der Hersteller aus Weil am Rhein, der die Entwürfe von Eames, Panton und anderen in Europa baut. Sessel, Stühle, Tische und Kleinmöbel, oft mit Etikett und Jahreszahl.
Thonet. Bugholz seit dem 19. Jahrhundert, Stahlrohr seit den Bauhausjahren. Kaffeehausstühle, Freischwinger und Schaukelstühle, mit Brandstempel oder Papieretikett unter der Sitzfläche.
Knoll. Barcelona Sessel, Tulip Tische, Bürostühle: amerikanische Moderne, in Lizenz gefertigt und bei späteren Ausgaben oft mit Prägung im Gestell.
Cassina. Der italienische Hersteller der LC Reihe von Le Corbusier, Perriand und Jeanneret, dazu Entwürfe von Gio Ponti und Mackintosh. Die Stücke der Maestri Reihe tragen Nummer und Signatur.
Eames. Charles und Ray Eames, Gestalter, keine Marke: Lounge Chair, Plastic Chairs, Aluminium Group. Ausgabe und Hersteller entscheiden, deshalb sehe ich zuerst auf das Etikett.
Le Corbusier LC2. Der Sessel mit dem außenliegenden Stahlrohrrahmen und den losen Kissen, 1928 entworfen. Ausgabe von Cassina oder Kopie, das ist die erste Frage.
Verner Panton. Der dänische Gestalter mit dem freischwingenden Kunststoffstuhl und den Leuchten aus Kugeln, Muscheln und Blüten. Möbel bei Vitra, Leuchten bei mehreren Herstellern.
Die Leuchten
Artemide. Italienischer Leuchtenhersteller: Tolomeo, Eclisse, Nesso. Für die Einordnung zählen Ausgabe, Fassung und Schirm.
Flos. Der andere große italienische Name: Arco, Taccia, Snoopy und die Entwürfe der Brüder Castiglioni. Marmorfuß, Bogen und Schirm müssen zusammengehören.
Poul Henningsen. Die PH Leuchten mit den gestaffelten Schirmen, die das Licht blendfrei lenken. Gestalter, nicht Hersteller: gebaut werden sie in Dänemark.
Wilhelm Wagenfeld. Bauhaus: die Tischleuchte mit Glasfuß und Opalglaskuppel von 1924, dazu Glas und Metall für den Alltag. Frühe Ausgaben und spätere Neuauflagen unterscheiden sich in Details.
Murano Glas. Kein Hersteller, sondern eine Insel: Kronleuchter, Pendel und Vasen aus den Glashütten bei Venedig. Ohne Signatur zählen Glasqualität, Fassung und Vollständigkeit.
Porzellan und Keramik
Rosenthal Studio Linie. Die Reihe, für die Rosenthal ab den sechziger Jahren Gestalter und Künstler gewinnen konnte, von Tapio Wirkkala bis Victor Vasarely. Services, Vasen, Wandteller und Reliefs, mit Stempel am Boden.
Woran Sie den Hersteller finden
Unter dem Sitz, im Gestell, an der Fassung, am Boden. Möbelhersteller kleben oder prägen, Leuchtenhersteller stempeln in die Fassung oder den Baldachin, Porzellan trägt die Marke auf der Unterseite. Ein Foto davon sagt mir mehr als drei vom ganzen Stück.
Fehlt jede Marke, ist das kein Ausschluss. Manche Stücke haben ihr Etikett in fünfzig Jahren schlicht verloren, und Konstruktion und Verarbeitung verraten die Herkunft oft trotzdem.
Was nicht in dieser Liste steht, sehe ich mir trotzdem an, wenn es in meine Bereiche passt: die Übersicht steht bei den Designermöbeln, den Designerleuchten und den Office Designermöbeln, wo USM Haller, Vitra und Knoll als Bürostücke ein zweites Mal auftauchen.